Verlagsweg · Vertrag & Geld
Vorschuss, Tantiemen, Autorenvertrag: So viel verdienst du wirklich
Der Moment, in dem der Verlagsvertrag im Postfach liegt, ist zu schön zum Rechnen - also rechnen wir vorher. Was drinsteht, was üblich ist und an welchen drei Stellen sich Verhandeln wirklich lohnt.
Die Honorar-Realität
Verlagsautoren verdienen prozentual am Nettoladenpreis, gestaffelt nach Auflage: grob 6 bis 12 Prozent beim Hardcover, 5 bis 8 beim Taschenbuch. Warum so wenig? Weil vom Ladenpreis zuerst der Handel (40 bis 55 Prozent), dann Herstellung, Vertrieb und Verlag bedient werden. Die komplette 24-Euro-Rechnung haben wir zerlegt. Die ehrliche Konsequenz: Vom Buchverkauf allein leben die wenigsten; das Geld liegt in der Summe aus Vorschüssen, Nebenrechten, VG Wort, Lesungen - und im nächsten Buch.
Der Vorschuss: Vorauszahlung, kein Geschenk
Der Vorschuss ist eine Vorauszahlung auf künftige Tantiemen: Deine Verkaufshonorare werden dagegen verrechnet, bis er abbezahlt ist; erst danach fließt wieder Geld. Floppt das Buch, bleibt ein redlich vereinbarter Vorschuss trotzdem bei dir; das Risiko trägt der Verlag. Genau deshalb ist seine Höhe das ehrlichste Signal im ganzen Vertrag: Sie verrät, wie sehr der Verlag an dein Buch glaubt und wie viel Marketing- und Vertriebseinsatz er rechtfertigen muss.
Der Vorschuss ist keine Bezahlung. Er ist die Wette des Verlags auf dich. Lies ihre Höhe wie eine Quote.
Nebenrechte: wo das eigentliche Geld liegen kann
Taschenbuch, E-Book, Hörbuch, Übersetzung, Bühne, Film: Der Vertrag regelt, wer diese Rechte auswertet und wie du beteiligt wirst. Die Faustregel: Rechte nur dorthin geben, wo sie auch aktiv verwertet werden. Ein Filmrecht, das beim Verlag im Schrank liegt, verdient nichts, während eine Verfilmung der zuverlässigste Verkaufs-Turbo überhaupt ist. Dazu kommen zwei oft vergessene Posten: die VG-Wort-Ausschüttungen (Bibliothekstantieme und mehr, nur gegen Meldung!) und für den Ausnahmefall der Bestsellerparagraph § 32a UrhG, der dir bei unerwartetem Erfolg nachträglich eine faire Beteiligung sichert.
Deine Geldquellen im Überblick
| Quelle | Was üblich ist | Merkposten |
|---|---|---|
| Tantiemen Hardcover | 6-12 % vom Nettoladenpreis, gestaffelt | ca. 1,50-2,50 € pro 24-€-Buch |
| Tantiemen Taschenbuch | 5-8 % vom Nettoladenpreis | entsprechend weniger pro Exemplar |
| Vorschuss | Vorauszahlung, wird mit Tantiemen verrechnet | im Normalfall keine Rückzahlung |
| Nebenrechte (Film, Hörbuch, Übersetzung) | Beteiligung laut Vertrag | nur abgeben, wo aktiv verwertet wird |
| VG Wort | jährliche Ausschüttung (u. a. Bibliothekstantieme) | nur gegen Meldung, sonst verfällt sie |
| Agenturprovision | ca. −15 % vom Autorenhonorar | Gegenleistung: Zugang und Verhandlung |
| Bestsellerparagraph (§ 32a UrhG) | Nachschlag bei Ausnahmeerfolg | gesetzlicher Anspruch, kein Vertragsbonus |
Der Vertrags-Check in 60 Sekunden
- Honorarstaffel: steigt sie mit der Auflage? Ab welcher Stückzahl?
- Vorschuss: Höhe, Fälligkeit (Vertragsschluss/Abgabe/Erscheinen), keine Rückzahlungsklausel.
- Nebenrechte: einzeln aufgeführt, mit Beteiligungssätzen, nicht als Paket „alle Rechte".
- Rechterückfall: Was passiert, wenn das Buch vergriffen ist oder der Verlag nicht liefert?
- VG Wort melden: jedes Jahr, jedes Werk. Das ist Geld, das sonst verfällt.
Die häufigsten Fragen
Wie hoch sind übliche Autorenhonorare bei Verlagen?
Was ist ein Vorschuss und muss ich ihn zurückzahlen?
Welche Nebenrechte regelt der Autorenvertrag?
Was bringt die VG Wort für Autoren?
Was heißt das für dein Buch?
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Quellen
Gemeinsame Vergütungsregeln für Autoren belletristischer Werke (Börsenverein/VS) · OMR-Podcast mit Sebastian Fitzek · § 32a UrhG · VG Wort: Ausschüttungsinformationen · Wikipedia: Literaturagent