Mechanik · Amazon
So funktionieren die Amazon-Charts
Die SPIEGEL-Liste misst eine Woche - Amazon misst gefühlt jede Stunde. Wie der Verkaufsrang wirklich rechnet, warum das orange Badge billiger zu haben ist als sein Ruf und welche Rolle Kindle Unlimited spielt.
Zwei Rankings, die jeder verwechselt
Amazon führt nicht ein Ranking, sondern zwei. Der Bestsellerrang (die Charts) reagiert schnell: aktuelle und historische Verkäufe, neuere stärker gewichtet, alle Formate zusammen, und rein relativ: Dein Rang kann steigen, ohne dass du mehr verkaufst, wenn die Konkurrenz schwächelt. Das Popularitätsranking dagegen steuert die Suchergebnisse, wird nur einmal täglich mit rund zwei Tagen Verzug berechnet und gewichtet zusätzlich Preis und die Verkäufe der letzten 30 Tage. Wer „bei Amazon ranken" will, optimiert also zwei verschiedene Maschinen.
Die Amazon-Charts belohnen nicht das beste Buch. Sie belohnen das Buch, das genau jetzt verkauft.
Das Badge aus der Nische
Das orangefarbene „Bestseller"-Badge bekommt der Spitzenreiter jeder Kategorie. Kategorien gibt es tausende, bis hinunter zu winzigen Nischen. Autoren können bis zu drei Kategorien wählen; wer sein Buch geschickt in eine kleine Nische einsortiert, holt das Badge mit einer Handvoll Verkäufen am Tag. Das ist der Grund, warum „Amazon-Bestsellerautor" eine andere Währung ist als eine SPIEGEL-Platzierung; mehr dazu im Dossier zur Bestseller-Definition.
Die Spielregeln in 60 Sekunden
- Der Verkaufsrang ist relativ und gewichtet neuere Verkäufe stärker: Ein Ausschlag verpufft ohne Nachschub schnell.
- KDP-Select-/Kindle-Unlimited-Leihen zählen in den Bestsellerrang; Exklusivität wird mit Chartvorteil belohnt.
- Preis- und Gratisaktionen wirken auf das Popularitätsranking erst mit ca. zwei Tagen Verzug; stornierte Käufe zählen nie.
- Gratis- und Bezahltitel haben im Kindle-Shop getrennte Listen.
- Rezensionen ändern den Rang nicht direkt, aber die Konversion - und damit die Verkäufe von morgen.
Was das für Strategie bedeutet
Die Amazon-Maschine belohnt Verdichtung: Ein Launch mit gebündelten Verkäufen in wenigen Stunden hebt den Rang, der Rang bringt Sichtbarkeit, die Sichtbarkeit bringt Folgeverkäufe. Deshalb arbeiten Selfpublisher mit Launch-Tagen, Newsletter-Blasts und Preisaktionen statt mit gleichmäßigem Dauer-Marketing. Und deshalb ist die wichtigste Entscheidung nicht das Werbebudget, sondern Kategorie, Preis und der Kindle-Unlimited-Ja/Nein-Haken.
Die häufigsten Fragen
Wie oft aktualisiert Amazon den Verkaufsrang?
Wie bekommt man das Amazon-Bestseller-Badge?
Zählen Kindle-Unlimited-Leihen für den Bestsellerrang?
Beeinflussen Rezensionen den Amazon-Verkaufsrang?
Was heißt das für dein Buch?
Plane den Launch als Verdichtung: Kategorie-Recherche, Preisaktion, Newsletter am selben Tag. Die Anleitung zu KDP, Kategorien und Formaten findest du in der Selfpublishing-Akademie; wie Kindle Unlimited aus Lesersicht funktioniert, erklärt bücher-als-download.de; wie die gedruckte Konkurrenz gezählt wird, im Dossier zur SPIEGEL-Liste und bei den Verkaufszahlen.
Quellen
Amazon KDP-Hilfe: „Verkaufsrang" (G201648140) · Selfpublisherbibel: „Wie die Amazon-Charts und Rankings funktionieren" · Daniel Gaiswinkler: „KDP-Kategorien"